Dienstag, 22. Januar 2013

Ausstellungen für große Hamburger Mäzene ? Oscar Troplowitz in der Hamburger Kunsthalle


Die  Ausstellung  „Ein Leben für Hamburg-Oscar Troplowitz“ fand am Tage nach der Eröffnung starke Resonanz in den Medien. Allerdings haben die Kulturjournalisten  der Medien wieder keine Zeit bekommen, um die Eröffnungsveranstaltung und die Ausstellung  genauer anzusehen. Das geht auch kaum, da die Eröffnung um 19.00 Uhr beginnt. Es reicht übrigens auch nicht, um 18.30 da zu sein, denn viele ältere Damen und andere Freunde der Kunsthalle sind dann schon da. Oder haben Plätze belegt. In diesem Fall waren zudem mindestens fünf Reihen für die Familie Claussen und die Firma Beiersdorf reserviert.
Der Raum vor dem Kupferstichkabinett reichte wieder einmal nicht aus, die Treppen in den ersten Stock waren gut gefüllt.
Was besonders auffällt: In keinem der Ausstellungsberichte gab es  eine einzige kritische Bemerkung zu dieser Ausstellung zum 150. Geburtstag Oscar Troplowitz. Durften die Journalisten nicht oder trauten sie sich nicht?
Dabei könnte man mit Fug und Recht fragen, ob Mäzene überhaupt  mit Ausstellungen in der Kunsthalle und mit entsprechenden Katalogen geehrt werden sollen. Es besteht natürlich die Gefahr, dass diese Ehrung unkritisch ausfällt. Genau dieses hätte  geprüft werden müssen. Wer entscheidet übrigens über die inhaltliche Ausrichtung des Katalogs und der Ausstellung?
Das Anliegen der  Stern-Journalistin Christine Claussen, die die Ausstellung mit der Kuratorin zusammen geplant hat, die jüdischen Mäzene vor der NS-Zeit, besonders aus der Zeit des Kaiserreichs stärker in Erinnerung zu rufen, erscheint berechtigt. Hier geht es jedoch um ein viel umfassenderes Defizit im kollektiven Gedächtnis der Deutschen.
Natürlich bekommt eine Ausstellung, die einen so erfolgreichen Hamburger Unternehmer und Mäzen zum Gegenstand hat, nahezu zwangsläufig den Charakter einer „Jubelveranstaltung“ und eines Marketing-Events für die Firma im Hintergrund in einem gehobenen Ambiente. Nun hat Beiersdorf gerade in der Phase des Oscar Troplowitz in Werbung und Markenpolitik Großes geleistet, man denke an den ersten Werbe-Stummfilm für die Zahnpasta „Tebeco“ mit dem berühmten Zahnteufel, der Zähne verfolgt, die dann von der personalisierten Zahntube gerettet werden. Nach dem Ausführungen von Dr. Ulrich Schmidt, Beiersdorf, war Troplowitz, ein Mann des linken Zentrums, auch sozialpolitisch beispielhaft.
Christine Claussen kündigte bei der Eröffnung auch eine Aufarbeitung der Firmengeschichte von Beiersdorf  in der  NS-Zeit an. Warum ist dann nicht auch schon für die Ausstellung ein Anfang gemacht worden?
Stefan Brandt, Geschäftsführer der Kunsthalle, bemühte einen Vergleich zwischen einem schlechten und einem guten Mäzen. Natürlich erfüllte Oscar Troplowitz alle fünf Kriterien für den idealen Mäzen, der sich nicht selbst in den Vordergrund stellt etc. Nun macht das seine Familie und die Kuratorin, die bei ihrem Vortrag nun auch gleich den Ausstellungskatalog zeigte, auf dessen Deckel der geehrte Mäzen in Großbild prangte. Der Geschäftsführer erklärte eher vorsichtig, die Kunsthalle hätte  gegenüber Mäzenen durchaus Grundsätze.
Auch die Erinnerungskultur bekommt ihren Raum, der dem von Oscar Troplowitz gestifteten Picasso, die Absinthtrinkerin, gewidmet ist, der als „entartetes Kunstwerk“ auf gewundenen Wegen in die Schweiz gekommen ist und jetzt im Kunstmuseum Bern hängt, nach Hamburg jedoch nicht ausgeliehen wurde. Allein schon die übrigen 17 Bilder  in der Ausstellung vermitteln ohne Zweifel  den Eindruck einer sehr beachtlichen Schenkung des Oscar Troplowitz und seiner Frau Gertrud an die Hamburger Kunsthalle.
Die letzte Ausstellung, bei der eine einzige Firma als Sponsor aktiv war, lag schon in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts, es war die Andy Warhol-Ausstellung. Es ging damals also um einen Künstler.
Nun darf man  für die Interesssen einer angesehenen  Hamburger Familie wie den Claussens durchaus Verständnis haben, die in der Kulturszene  mindestens mit der Claussen-Simon-Stiftung und der „Sophie Pulvermacher-Stiftung“ vertreten sind. Auch in der Hamburger Kulturstiftung und im Kuratorium des MKG haben sie Einfluss.
Aber auch diese Familie war nicht immer nur völlig  gradlinig für die Interessen der Stadt unterwegs, und es galt mindestens in der jüngeren Geschichte der nicht unverständliche Grundsatz „die Familie zuerst“. So etwa bei den Verhandlungen um die 10 Prozent Aktien an Beiersdorf, die  die Familie nicht ohne  Millionenschwere Zusatzzahlungen für die Hamburger Lösung zur Verfügung stellte. Damals drohte die Übernahme  und Zerschlagung  von Beiersdorf .
Wenn man Ausstellungen für Mäzene grundsätzlich zustimmt, dann kann Oscar Troplowitz durchaus als eine gute Wahl gelten.
Aber wo wird die Grenze gezogen?

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