Der Wahl-O-Mat der Hamburger Landeszentrale
für politische Bildung suggeriert
Objektivität, ist jedoch stark defizitär bei der Auswahl der Thesen und teilweise auch bei ihrer
Ausformulierung. Er ist fachlich schwach und teilweise manipulativ.
Montag, 9. Februar 2015
Samstag, 7. Februar 2015
Multiresistente Krankenhauskeime am Universitätskrankenhaus Eppendorf(UKE):Berichte im Hamburger Abendblatt
Dass es
multiresistente Keime am UKE
wie in fast allen Krankenhäusern in Deutschland gibt, dürfte unbestritten
sein. Dass es Todesfälle durch sie gibt, ist ebenfalls klar. Umstritten ist
lediglich die Zahl der Todesfälle. Es muss sich hier mit dem 4 MRGN-Klebsiella
pneumoniae also um einen besonderen Keim handeln.
Die Berichte im Hamburger
Abendblatt am 5.und 6.2.2015 erwecken den Eindruck, als seien sie ausgedünnte
Kurzfassungen von Presseerklärungen des Universitätskrankenhauses.
Keinerlei Ergänzungen oder kritische Fragen.
Wie kann man eine Behauptung, die
Patienten seien an den Ausgangserkrankungen verstorben, unkritisch übernehmen,
wo doch gerade hier ein Problem liegt: die Dokumentation der Todesursache.
Meldungen über Patienten, die an Keim-bedingten Infektionen gestorben sind lassen sich umgehen, indem man
den Tod durch die Ausgangskrankheit feststellt.
Es kommt ein
Glaubwürdigkeitsproblem hinzu: Als der Vorstandsvorsitzende des UKE Prof. Dr.
Seitz auf einer Intensivstation des UKE verstarb, sorgte sich das UKE um eine
entsprechende Negativmeldung. Man war so gut mit den „zuständigen“ Journalisten
in Hamburg im Gespräch, dass keiner schrieb, wo der damalige Chef des UKE
gestorben war. Nur Bild konnte sich einen indirekten Hinweis nicht verkneifen.
Wenn man schon in diesem Fall so verfährt, wie
glaubwürdig sind dann wohl die Berichte über multiresistente Keime und ihre
Wirkungen?
Patientenvertreter ins Kuratorium des Universitätskrankenhauses Eppendorf(UKE) ?
Im Kuratorium des UKE finden sich
keine eigentlichen Patientenvertreter: vier Sachverständige auf Vorschlag des
Senats, der Präsident der Universität, vier Mitarbeitervertreterinnen, als
Vorsitzende die Wissenschaftssenatorin usw. Als Sachverständige auch eine ehemalige Finanzsenatorin.
Ist angesichts der
Aufgabenstellung und der Zusammensetzung des Kuratoriums eine Kontrollwirkung
auch im Sinne der Patienten zu
erwarten? Zweifel sind angebracht.
Mittwoch, 4. Februar 2015
Bürgerschaftswahl 2015:Welche Themen werden ausgespart?
Keine der Parteien nimmt die
brisantesten Themen der Medienpolitik auf: die Konzentration bei den
Printmedien in Hamburg, aber auch in Fernsehen und Rundfunk mit dem NDR.
Nicht einmal der kürzliche
Beitrag des Springer-Verlags zur Reduzierung der Pressekonzentration wird
angemessen gewürdigt oder nur angesprochen: Der Springer-Verlag hat das
Hamburger Abendblatt an die Funke-Gruppe verkauft und damit seine Medienmacht
in Hamburg formal reduziert, wenn das HA auch in personeller Struktur und
Ausrichtung erhalten bleiben dürfte.
Es war über Jahrzehnte die Schule
der Anpassungsfähigkeit für Hamburger Politiker, das Thema Pressekonzentration
nicht zu erwähnen , die Macht des Springer-Verlags schon gar nicht in Zweifel zu
ziehen und auch die Rolle der Medien als politische Akteure nicht zu
thematisieren.
Dies haben massiv nur zwei
Hamburger Politiker getan und verloren: am stärksten Hans-Ulrich Klose 1978-81,
einige erinnern sich an den Stoltzenbergskandal und den Rathausmarktumbau, aber
auch Prof.Dr. Biallas,FDP, der eine öfffentlich-rechtliche Zeitung gefordert
hatte und nach Afrika ging.
Es fehlt z.B. eine schonungslose
Aufarbeitung der Sicherheitslage, der Folgen von Migration und Zuwanderung,
aber auch auf anderen Gebieten wie Bildung und Gesundheit. Das ewige
Verschweigen und Beschönigen sollte auf allen Gebieten beendet werden.
Fragen des politisch-medialen
Systems in Hamburg, das strukturell und in seiner konkreten Ausprägung auf den
Prüfstand gehört, werden nur verzagt angesprochen, so, wie immer mal wieder,
das Feierabend-Parlament (Grüne)und das Wahlrecht(SPD, Grüne, Linke, FDP).
Das Thema Gesundheit wird eher an
der Oberfläche behandelt, die gravierenden Misstände nur unzureichend
behandelt, z.B. gibt es beim Thema Hygiene in Krankenhäusern wie bei den
meisten wesentlichen Fragen nur allgemeine Sentenzen zur Verbesserung von
Hygiene-Standards, keine grundlegende Reform., die auch die SPD in ihren vier
Jahren Regierungszeit nicht gewollt hat, aber nötig wäre. Die Linke fordert
immerhin, etwas zugespitzt und holzschnittartig zusammengefasst, ein
öffentliches Gesundheitswesen, in dem dann alle Kranken dieser Erde als
Flüchtlinge kostenlos behandelt werden können.
Auf diesem Feld wie auf den
meisten anderen auch war das Hamburger Parlament politisch wenig wirksam. Die
HSH Nordbank hätte mit dem eingeweihten politischen Führungspersonal das Land
Hamburg vollständig ruinieren können, ohne dass das Parlament etwas gemerkt
hätte. Bilanz: Mangel an politischer Leistungsfähigkeit und
Durchsetzungsfähigkeit, aber auch eine zu geringe Wirksamkeit der laufenden
Kontrolle, und dies bereits seit Jahrzehnten. Dieser Befund gilt, obwohl es
eine ganze Reihe guter Abgeordneter in allen Fraktionen gibt und das Parlament
wichtige Entscheidungen getroffen hat.
Leider kann der eher kurze Wahlkampf in Hamburg die
inhalt-lichen Profile der Parteien kaum angemessen herausarbeiten, ein
differenzierter Vergleich ist viel zu aufwändig
und wäre von den Bürgern auch kaum zu verarbeiten.Bürgerschaftswahl 2015: Die Finanzierung der Forderungen
Keine der Parteien rechnet ihre
Vorschläge finanziell durch oder liefert gar Einsparvorschläge.
Am seriösesten arbeitet insgesamt
die SPD, die den Senat von 2011-2015 gestellt hat.
Als einzige Partei verweist sie in einem eher nüchternen Programm eingangs auf die bisherigen Verluste durch die HSH Nordbank und die noch
ausstehenden potentiellen Belastungen für den Haushalt aus der Bad Bank in Höhe
von 21 Milliarden Euro. Die anderen Parteien tun das nicht, auch nicht die CDU, obwohl das Desaster der Bank
in ihre Regierungszeit fiel. Die FDP fordert eine geordnete Ausstiegsstrategie,
was immer das auch heißen mag.
Die SPD hält sich übrigens mit neuen Forderungen ausgenommen beim
Sozialwohnungsbau, Radwegeausbau, Ausbau des ÖPNV, Investitionsprogrammen für
das UKE sehr stark zurück.
Sie kann auch darauf verweisen,
dass sie ihre Versprechen alle eingehalten hat, und dies trotz der Durchführung
von Sparmassnahmen. Der Haushalt 2013/2014 soll nach Hamburger Morgenpost sogar
mit einem Plus von 400 Euro abschließen.
Die Linke verweist für die
Finanzierung ihrer enormen Forderungskataloge auf ein langes Programm von politisch
wohl eher unrealistischen Steueränderungen auf Bundesebene und nur nebenbei,
wie die Grünen, auf die Anhebung
des Gewerbesteuerhebesatzes in
Hamburg auf 490 Prozent.
Die Linke findet sich in einem
Bieterwettbewerb mit den Grünen und verspricht Transferempfängern und auch
Flüchtlingen und Zuwanderern jeder Art nahezu alles. Das wirkt eher unseriös.
Bei CDU und AfD finden sich u.a.
Haushaltsrelevante Vorschläge im Bereich Innere Sicherheit. Allein bei der
Polizei will die AFD bis zu 500 Polizeibeamte mehr.Auch die CDU will in Sicherheitsbereich und Justiz mehr Stellen und Stellenhebungen.
Übrigens einen Einsparvorschlag
hat die Linke: sie will das Landesamt für Verfassungsschutz auflösen.
Ansonsten ist sie noch, als einzige Partei, für die Aufhebung der
Schuldenbremse.
Die FDP möchte die Gewerbesteuer
absenken, das führt zu Mindereinnahmen.
Die Gesundheitsbehörde soll mit der Sozialbehörde zusammengelegt werden.
Die Grünen verlangen auch aus
Einspargründen von der Hamburg-Port-Authority(HPA) ein neues Geschäftsmodell,
realistische Gebühren pro Quadratmeter und die Einstellung des
Bieterwettbewerbs mit den Konkurrenzhäfen zu Lasten der Steuerzahler. Sie haben
aber auch beachtliche Personalforderungen für den Umwelt-, Energie- und
Stadtentwicklungsbereich.
Bürgerschaftswahl 2015:Die Länge der Wahlprogramme
Die Länge der Wahlprogramme ist nicht zwingend ein
Qualitätsnachweis und sicher auch nicht das Kriterium für eine
Wahlentscheidung. Es ist bemerkenswert, wie groß die Unterschiede sein können.
Die Reihenfolge der Länge nach:
Grüne 125
Seiten, Linke 74 Seiten, SPD 69
Seiten,, FDP 63 Seiten, CDU 60 Seiten, AfD 28 Seiten.
Der ideale Bürger müsste also 400 Seiten Parteiprogramme
verarbeiten. Dafür benötigt er eine Arbeitswoche. Aber, wer hält das durch? Was hat er wohl im Anschluss noch
behalten?
Die Parteien arbeiten nicht durchgehend nach dem Prinzip
zunächst eine Analyse des Istzustands oder der Arbeit des SPD-Senats auf dem
jeweiligen Gebiet, dann die Verbesserungsvorschläge, die eigentliche eigene
programmatische Substanz. Gut wäre das schon, führte jedoch zu noch längeren Programmen.
Die Programme sind nicht ohne qualifizierte Zuarbeit entstanden und sind durchweg anspruchsvoll.
Bürgerschaftswahl 2015: Warum war Scholz Regierungsbilanz so positiv?
Bürgermeister Olaf Scholz ist in Hamburg unter den
Politikern nicht zufällig die
Nummer eins. Das liegt nicht nur an seinen Berliner Erfahrungen.
Olaf Scholz hat vor den letzten Wahlen 2011 Forderungen
herausgestellt, die er auch unter dem Gesichtspunkt der Umsetzbarkeit im Hamburger Regierungssystem ausgewählt
hatte:
Abschaffung der Studiengebühren
Abschaffung der Kita-Gebühren für
fünf Stunden
Hochfahren des Wohnungsbaus auf
6000 Einheiten pro Jahr
Abschaffung bzw. Reduzierung des
„Weihnachtsgelds" für Beamte, bzw. Pensionäre
Als komplex muss hier schon der Wohnungsbau gelten. Aber auch hier
hat er politisch klug kalkuliert: Der Bedarf wurde von allen politischen
Kräften und Gruppen der Gesellschaft anerkannt. Wirtschaft, Handelskammer und
Gewerkschaften waren dafür. Eine große Bevölkerungsgruppe war an Wohnungen
interessiert. Scholz kamen dann nach der Wahl seine absolute Mehrheit in der
Bürgerschaft, aber auch sein starkes Abschneiden in allen Bezirken zu Hilfe.
Wieviel schwerer ist dagegen eine Maßnahme wie die Inklusion in
einem Großstadtschulsystem umzusetzen? Deshalb wurde sie auch nicht in gleichem
Maße herausgestellt, war aber neben den hohen Kosten auch ein Riesen-Projekt
für den Schulsenator, der sicher sein konnte, dass selbst die eifrigsten Befürworter
wie etwa die Grünen bei den ersten Schwierigkeiten zu den Kritikern
überlaufen würden.
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